Das Bundesgericht hat sich in einem neuen Entscheid zur Frage geäussert, ab wann von einer sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz gesprochen werden muss. Es bestätigte, dass auch unangemessene Witze oder Anspielungen den Tatbestand erfüllen können. Nicht jede in der Alltagssprache gebräuchliche Bezeichnung für ein «junges Mädchen» fällt allerdings darunter.

Nach Rechtsprechung des Bundesgerichts fallen sexistische Bemerkungen und grobe oder peinliche Kommentare unter die Definition der sexuellen Belästigung nach Art. 4 des Gleichstellungsgesetzes. Die Definition umfasst jedes Verhalten sexueller Natur, darunter auch unangemessene Witze, die zu einem feindlichen Arbeitsumfeld beitragen. Die Arbeitnehmerin war von ihrem Vorgesetzten in ihrer Abwesenheit mit dem Spitznamen «Mistinguett», einer Kabarettistin aus der Belle Epoque, bezeichnet worden. Das Bundesgericht stützte die Auffassung des Kantonsgerichts, dass dieser Begriff heutzutage in der französischen Alltagssprache verwendet wird, um auf vertraute und allgemein liebevolle Weise ein junges Mädchen oder eine junge Frau zu bezeichnen. Selbst wenn die Äusserung des Vorgesetzten nur eine Anspielung für die Bewunderung ihrer Figur war, bestehe kein Grund, die Schwelle der sexuellen Belästigung auf ein solch niedriges Niveau zu setzen.

Entscheid 4A_18/2018