In verschiedenen Medienbeiträgen der letzten Tage wurde die Frage der Entschädigung bei Homeoffice thematisiert. Auslöser war ein Beitrag in der Sonntagszeitung, in dem über ein scheinbar neues und wegweisendes Urteil des Bundesgerichts berichtet wird («Bundesgericht verknurrt Arbeitgeber zu Homeoffice-Entschädigung»). Dieser Bericht ist in mehrfacher Hinsicht unvollständig und missverständlich. Arbeitgeber Banken präzisiert deshalb die arbeitsrechtliche Situation in Bezug auf die Entschädigung bei Homeoffice wie folgt:

  1. Das in den Medien zitierte Urteil ist nicht neu, sondern stammt aus dem Jahre 2019. Es wurde längst publiziert und in verschiedenen Fachpublikationen besprochen.
  2. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Sachverhalt des Entscheids und dem Homeoffice-Regime als Folge der aktuellen Corona-Pandemie.
  3. Im Entscheid ging es um einen Treuhand-Mitarbeiter, für den die Firma keinen Arbeitsplatz im Betrieb anbot. Der Mitarbeitende musste einen Arbeitsplatz sowie Archivraum bei sich zuhause zur Verfügung stellen. Das Bundesgericht sprach dem Mitarbeiter gestützt auf Art. 327a OR eine monatliche Entschädigung von 150 Franken zu.
  4. Es ist richtig, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer gemäss Art. 327a OR alle «notwendig entstehenden Auslagen» ersetzen muss. Aber: Bietet der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz im Betrieb an und wird das Homeoffice freiwillig oder sogar auf Wunsch des Mitarbeitenden genutzt, besteht kein Anspruch auf Ersatz der Auslagen. Der Arbeitgeber kommt in diesem Fall seiner Pflicht zur Bereitstellung eines Arbeitsplatzes nach und muss sich nicht an den Kosten des Homeoffice beteiligen.
  5. Während der COVID-19-Situation haben viele Arbeitgeber für einen Grossteil der Belegschaft Homeoffice angeordnet. Sie handeln dabei in Umsetzung der Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit («Homeoffice, wo möglich»). Mit der Anordnung von Homeoffice verfolgen die Arbeitgeber also nicht eigene Interessen, sondern kommen damit ihrer Fürsorgepflicht nach und schützen die Gesundheit der Mitarbeitenden. Da die Arbeitsplätze im Betrieb zur Verfügung stehen würden, aber zum Schutz der Mitarbeitenden nicht genutzt werden, besteht nach Auffassung von Arbeitgeber Banken ebenfalls kein Anspruch auf Ersatz der Auslagen.

Fazit: Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer nur dann die Auslagen für Homeoffice ersetzen, wenn er ihm keinen Arbeitsplatz im Betrieb zur Verfügung stellt oder er die Arbeit im Homeoffice von ihm verlangt. Solange Homeoffice auf freiwilliger Basis oder als Folge von behördlichen Empfehlungen erfolgt, besteht kein Anspruch auf Ersatz von Auslagen.