Arbeitgeber Banken lehnt nicht nur die Vaterschaftsurlaubs-Initiative, sondern auch den Vorentwurf zum Bundesgesetz über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft als indirekten Gegenentwurf dazu aus grundsätzlichen ordnungspolitischen Überlegungen ab.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch für die Bankbranche ein zentrales Thema, dem sich die Banken in der Schweiz schon seit längerem aktiv angenommen haben. So zeigen Praxisbeispiele, dass in den vergangenen Jahren innovative und flexible Modelle entwickelt wurden, die teilweise über die im Gegenentwurf zur Vaterschaftsurlaubs-Initiative vorgeschlagenen 14 Tage hinausgehen oder in anderer Form den Beziehungsaufbau zwischen Vater und Kind besser ermöglichen. So profitieren werdende Väter in verschiedenen Banken zum Beispiel von mehr Freitagen, mehr Flexibilität in der Arbeitsgestaltung in der Zeit nach der Geburt oder von der Möglichkeit einer Pensenreduktion während einer bestimmten Zeit.  Zudem sieht der Gesamtarbeitsvertrag der Bankbranche eine grosszügige überobligatorische Familienzulage vor.  

Wie die Volksinitiative schlägt auch die beantragte Neuregelung der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats alle Unternehmen – vom Kleinstbetrieb bis zum Grosskonzern – über einen Leisten. Aus Sicht von Arbeitgeber Banken ist eine starre und gesetzlich verordnete Einheitsregelung aber klar der falsche Weg. Arbeitgeber müssen auf betrieblicher Ebene und gemäss ihren Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden flexibel und in Abhängigkeit ihrer jeweiligen Möglichkeiten Vereinbarungen treffen können. Dass dies in der Bankbranche bereits geschieht und auch möglich ist, zeigen die erwähnten Praxisbeispiele. Statt also die betriebliche Flexibilität weiter einzuschränken, ist aus Sicht von Arbeitgeber Banken dieser Weg fortzuführen. Er ermöglicht flexible Lösungen, welche die individuellen Bedürfnisse sowohl des Arbeitgebers als auch des Vaters miteinbeziehen.

Für den nachhaltigen Aufbau einer Bindung zwischen Vater und Kind wirken zeitlich und örtlich flexible Arbeitsbedingungen ergänzt mit einem ausreichenden Angebot an familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten unserer Ansicht  nach besser als ein zeitlich eng auf die Phase nach der Geburt begrenzter Vaterschaftsurlaub.

Darüber hinaus setzen wir uns bei sämtlichen arbeitgeberrelevanten Vorlagen grundsätzlich dafür ein, dass die Arbeitskosten in der Schweizer Wirtschaft nicht weiter ansteigen. Die Finanzierung des bezahlten zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs würde gemäss Vorentwurf über die Erwerbsersatzordnung sowohl die Lohnkosten als auch die Lohnabzüge für die Arbeitnehmenden weiter erhöhen.

Abschliessend erlauben wir uns anzumerken, dass eine starre gesetzliche Regelung des Vaterschaftsurlaubs in verschiedenen Branchen zu einer Schwächung der Sozialpartnerschaft führen wird. Der Vaterschaftsurlaub ist ein typischer Anwendungsbereich für einen Gesamtarbeitsvertrag und in verschiedenen Branchen über dieses Vertragswerk geregelt. Damit besteht heute die Möglichkeit, sozialpartnerschaftliche Regelungen zu treffen, die den verschiedenen Branchen gerecht werden. Ein neuer gesetzlicher Standard entzieht den Sozialpartnern diesen Regelungsbereich und schaltet damit die heutige Flexibilität im Rahmen der Gesamtarbeitsverträge ohne Not aus.