Der Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung sorgen seit Jahren für Unsicherheit. In vielen Branchen ist von erheblichen Personalengpässen die Rede, begleitet von alarmistischen Schlagzeilen und langfristigen Prognosen.
Auch für die Bankbranche stellt sich die Frage, ob der demografische Wandel in den kommenden Jahren zu einemernsthaften Problem für die Personalsituation werden könnte.
Arbeitgeber Banken ist dieser Frage mit einer bewusst pragmatischen Untersuchung nachgegangen. Im Zentrum stand nicht eine umfassende Prognose des künftigen Personalbedarfs, sondern eine eng gefasste Bestandsprojektion: Wie entwickelt sich der Personalbestand der Bankbranche, wenn allein demografische Faktoren sowie heutige Ein- und Austrittsmuster berücksichtigt werden?
Bewusst pragmatischer Ansatz
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Modelle entwickelt, um das Arbeitskräfteangebot und den Personalbedarf möglichst genau vorauszuberechnen. Auch Arbeitgeber Banken liess 2017 eine umfangreiche Bildungsbedarfsstudie erstellen, die auf einem komplexen Prognosemodell beruhte.
Solche Modelle hängen jedoch starkvon Annahmen zur Markt-, Geschäfts- und Konjunkturentwicklung ab. Entsprechendsind sie nur begrenzt belastbar.
Arbeitgeber Banken hat deshalb für die aktuelle Analyse einen anderen Weg gewählt: Das Beratungsunternehmen BSS, das bereits den Arbeitsmarktindex von Arbeitgeber Banken berechnet und kommentiert, wurde mit einer Studie beauftragt, die sich ausschliesslich auf vergleichsweise verlässlich prognostizierbare Faktoren stützt.
Dazu gehören die Szenarien zur demografischen Entwicklung sowie die Altersangaben und die Zahl der Ein- und Austritte der Bankangestellten gemäss den Daten der Ausgleichskasse Banken. Diese Daten bilden eine besonders solide Grundlage zur Alters- und Bestandsstruktur der Branche und stehen Arbeitgeber Banken als Trägerverband der Ausgleichskasse exklusiv zur Verfügung.
Demografie führt nicht zu Kollaps-Szenario
Die zentrale Erkenntnis der Studie lautet: Der Bankbranche werden allein aus demografischen Gründen die Arbeitskräfte nicht ausgehen.
Im Referenzszenario ist in den kommenden rund zehn Jahren zwar ein moderater Rückgang des Mitarbeitendenbestands um etwa 8'000 bis 9'000 Arbeitskräfte beziehungsweise 6 bis 7 Prozent zu erwarten. Dieser Rückgang ist jedoch kein Hinweis auf ein bedrohliches Kollaps-Szenario. Er erklärt sich vor allem dadurch, dass starke Jahrgänge in den nächsten Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden.
Anschliessend stabilisiert sich die Entwicklung wieder. Ab etwa 2039 gleichen sich Ein- und Austritte im Referenzszenario aus. Sollte sich der Arbeitskräftebedarf in der Bankbranche in den kommenden Jahren ebenfalls moderat rückläufig entwickeln, wäre dieser Rückgang aus arbeitsmarktlicher Sicht unproblematisch.
Branche hat sich seit 2015 eher verjüngt
Die Analyse zeigt zudem, dass die Eintritte in die Bankbranche über die Jahre einigermassen stabil verlaufen und sich stark auf jüngere Altersgruppen konzentrieren. Die Austritte hingegen verteilen sich breit über verschiedene Altersklassen und sind nicht primär auf Pensionierungen zurückzuführen.
Bemerkenswert ist auch, dass sich die Bankbranche seit 2015 netto eher verjüngt hat. Die demografische Entwicklung betrifft die Branche somit zwar, sie stellt nach Einschätzung von Arbeitgeber Banken aber kein strategisches Risiko mit unmittelbarem Handlungsbedarf dar.
Hinzu kommt: Die Projektion berücksichtigt mögliche Reaktionen der Branche nicht. Dazu zählen etwa spätere Renteneintritte, tiefere Austrittsquoten oder zusätzliche Rekrutierungsanstrengungen. Die Studienautoren weisen deshalb darauf hin, dass die tatsächliche Entwicklung günstiger ausfallen dürfte als eine rein mechanische Fortschreibung historischer Zahlenreihen.
