Noch vor einem Jahr prägten die US-Zölle und eine drohende Rezession die Diskussion. Heute sieht das Bild freundlicher aus. Die Weltwirtschaft hat den Energiepreisschock infolge des Konflikts im Nahen Osten besser verkraftet als befürchtet. Für die Schweiz hat die Expertengruppe des Bundes ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich nach oben korrigiert, nachdem die Wirtschaft im zweiten Quartal überraschend kräftig gewachsen ist. Auch für 2027 wird ein solides Wachstum erwartet, die Arbeitslosigkeit dürfte leicht zurückgehen, und die Teuerung bleibt tief. Ganz ohne Wolken ist der Himmel allerdings nicht: Die hohen Energiepreise, die geopolitische Lage und die unberechenbare US-Handelspolitik bleiben erhebliche Risiken.
Die Banken blicken auf ein Rekordjahr zurück
Für die Banken in der Schweiz war 2025 einausgesprochen erfolgreiches Jahr. Der aggregierte Geschäftserfolg erreichte ein Allzeithoch, und auch der Gewinn des Sektors legte deutlich zu. Getragen wurde das Ergebnis vor allem vom Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, das von der guten Stimmung an den Finanzmärkten profitierte. Für 2026 rechnet die Branche mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. Weniger erfreulich sieht es im klassischen Zinsgeschäft aus: Im Nullzinsumfeld stehen die Margen unter Druck. Zudem steigen die Kosten für Regulierung und IT weiter – Faktoren, die bei der Beurteilung des Lohnspielraums nicht ausser Acht gelassen werden dürfen.
Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich
Nach mehreren Jahren mit steigender Arbeitslosigkeit in der Bankbranche zeigt der Arbeitsmarktindex von Arbeitgeber Banken für das zweite Quartal 2026 eine Stabilisierung. Die Arbeitslosenquote liegt zwar weiterhin über jener der Gesamtwirtschaft, doch die Zahl der offenen Stellen nimmt wieder zu, und die Unternehmen blicken beim Personal zuversichtlich in die zweite Jahreshälfte. Die Fachkräftesituation bleibt in der Bankbranche angespannter als in der übrigen Wirtschaft.
Die Gewerkschaften fordern deutlich mehr Lohn
Die Arbeitnehmerorganisationen begründen ihre Forderungen mit der guten Konjunktur, den steigenden Krankenkassenprämien und einem aus ihrer Sicht aufgelaufenen Nachholbedarf. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund verlangt generelle Lohnerhöhungen von 2,5 Prozent, Travail.Suisse und der Kaufmännische Verband liegen mit ihren Forderungen leicht darunter. Für die Bankbranche fordert der Schweizerische Bankpersonalverband ebenfalls eine Erhöhung der Lohnsumme um 2,5 Prozent, verbunden mit einem Mindestbetrag für tiefere und mittlere Einkommen.
Die Unternehmen erwarten wesentlich weniger
Deutlich tiefer liegen die Erwartungen der Betriebe selbst. Die Lohnumfrage der KOF vom Sommer zeigt, dass die Unternehmen im Schnitt mit Lohnerhöhungen von rund einem Prozent rechnen – bei den Banken sind die Erwartungen gegenüber dem Vorjahr sogar spürbar gesunken. Angesichts der tiefen Teuerung würde aber auch ein moderater Lohnanstieg zu einem Zuwachs der Kaufkraft führen. Weitere Umfragen, namentlich jene von know.ch und UBS, werden im Oktober und November erwartet.
Was heisst das für die Bankbranche?
Arbeitgeber Banken beschreibt in seiner Präsentation «Lohnrunde2027: Zahlen, Fakten, Prognosen» die Ausgangslage für die Bankbranche und nimmt – gestützt darauf – eine Einschätzung vor. Diese Präsentation wurde den Kontaktpersonen der Mitgliedbanken von Arbeitgeber Banken am 30. September 2026 zugestellt.
